(Photo by Pavan Trikutam on Unsplash)
Kommunikation ist im aktuellen Internet eine der wichtigsten Aufgaben. Das Internet begann mit den Techniken E-Mail, IRC und News. IRC ist eher zentral gehalten, News und Mail jedoch schon immer dezentral. Mailserver können sich untereinander verständigen. Ein schönes Konzept, weil man potentiell selbst Systeme aufsetzen kann, die dann im Netz voll funktional sein können.
Irgendwann in den 90ern tauchten dann die ersten Chatsysteme mit z. B. icq auf. Solche Systeme waren nett, und man konnte mithilfe von Clients zwischen den dann auftauchenden Servern kombinieren. Pidgin konnte die verschiedenen Chatsysteme zusammen darstellen. Aber bis zum Smartphone-Zeitalter waren die Benutzerzahlen noch gering.
Erst mit Systemen wie WhatsApp gingen die Benutzerzahlen explosiv hoch. Jedoch begann damit dann auch das Walled Gardening. Man konnte nicht einfach von WhatsApp mit Signal oder Telegram kommunizieren. Die Server wurden zentral von großen Firmen betrieben und zum Teil auch closed source gehalten.
Schön wäre ein System, was diese Funktionalität abbildet, dezentral ist und auf einem heimischen Server betrieben werden kann.
Und genau dies wurde gegen 2014 mit dem Matrix-Protokoll realisiert.
Darauf basierend gibt es nicht nur die Referenz-Implementierungen Matrix Synapse als Server und den Element-Clients für den Webbrowser, iOS und Android. Es gibt mittlerweile unzählige Clients, Bots und SDKs, mit denen man selbst Clients bauen kann. Auch andere Server gibt es in den unterschiedlichsten Sprachen. Der Referenz-Server kann mittlerweile sogar auf einem Raspberry Pi betrieben werden.

Matrix ist dezentral und ähnlich wie beim Fediverse können die Accounts beliebiger Server mit den Accounts und Gruppen beliebiger anderer Server kommunizieren. E2EE inbegriffen - also komplette Verschlüsselung.
Eine Besonderheit von Matrix aber, sind die Bridges. Hiermit kann man andere Chatsysteme in die Matrix einbinden. So ist es z. B. möglich, mit Signal-Accounts zu kommunizieren (via Mautrix), man kann sich auch in IRC-Räume einklinken (z. B. über die Heisenbridge). Mit Aufwand geht das sogar mit WhatsApp. Somit hat man ein System, welches mit beliebigen anderen Systemen sprechen kann. Sollen doch die anderen unzählige Clients betreiben. Bridges können sogar von Instanzen global zur Verfügung gestellt werden. Viele IRC-Kanälte sind z. B. über https://matrix.org erreichbar. Natürlich gibt es auch ein System für Room-Inventories, die global durchsucht werden können.
Außerdem unterstützt Matrix und zumindest seine Referenzclients mittlerweile auch VoIP und Videophonie. Über Plugins sind auch Gruppenunterhaltungen mit Video über Jitsi möglich. Auch das Einblenden von Videos und anderen Websystemen wie Big Blue Button im Client ist möglich. Viele freie Online-Konferenzen verwenden mittlerweile Matrix-Räume mit eingeblendeten Videos oder Jitsi/BBB-Verbindungen mit Subräumen.

Man kann mit diesem System arbeiten wie mit Slack, auf dem Smartphone wie Signal, es gibt Threads und einen Markdown-tauglichen Input.
Das System ist nicht so leicht wie z. B. XMPP, aber leicht genug für den Selbstbetrieb.
Basierend auf Matrix gibt es mittlerweile diverse nationale wie auch internationale Behörden und sogar das Militär, die Chatsysteme betreiben. Die dezentrale Komponente spielt dabei eine sehr große Rolle.
Grob kann man sagen: Alles was man bei professionellen Systemen vermißt, wird man bei Matrix finden, und sei es nur die exzellente Markdown-Unterstützung.